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Selbsthilfe




Möglichkeiten zur Selbsthilfe

„Ich musste meine Freunde und die Familie erziehen. Der einzige Weg, von Ihnen Hilfe zu bekommen, ist, Ihnen von der MS zu erzählen, und zu sagen, wie ich mich damit fühle. Mit anderen zu reden, hat mich stärker gemacht, und es hat mir mehr innere Ruhe gegeben." Ken, 45, UK

Um mit der Diagnose MS fertig zu werden, müssen Sie akzeptieren, daß MS ein Teil Ihres Lebens ist. Sie werden anfangen, über die Krankheit und ihre Auswirkungen zu reden, und lernen, Hilfe anzunehmen. Beides ist für den Gewöhnungsprozess von außerordentlicher Bedeutung. Beides öffnet die Tür, durch die Sie gehen müssen, um die Bedeutung neuer Werte und Ziele im Leben zu entdecken.

Wenn Sie die chronische Krankheit in Ihr Leben integrieren und zu einem neuen inneren Gleichgewicht finden, werden Sie feststellen, wie Sie innerlich gewachsen sind.

Oft hört man Aussagen wie: „Ich hätte es zwar vorgezogen, die MS nicht zu bekommen, aber als Person bin ich mir jetzt wertvoller als vor der Krankheit".

Mit jeder Veränderung, die die Krankheit in Zukunft in Ihr Leben bringen wird, werden Sie wie in einem Kreislauf immer wieder dieselben Gewöhnungsprozesse an Ihr Leben mit der MS durchmachen. In den nächsten Abschnitten finden Sie ein paar praktische Hinweise, die Ihnen helfen sollen.


Teilnahme am gesellschaftlichen Leben

freunde_strand_meer.jpgSuchen Sie Gelegenheiten, große und kleine, um weiter am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und Ihre eigenen Pläne umzusetzen. Das Einhalten neuer Grenzen, die Ihnen die MS vorgibt, muss nicht den sozialen Rückzug bedeuten.






Lassen Sie nicht zu, dass die MS Ihr ganzes Leben beherrscht

Natürlich spielt die MS eine wichtige Rolle, aber sie ist weder für Sie noch für Ihren Partner das Einzige, was im Leben zählt. Reden Sie auch über andere Dinge, tun Sie weiterhin das, was Ihnen Freude macht, auch wenn es jetzt anstrengender ist. Nutzen Sie die Zeit, während der Sie sich gut fühlen, um etwas Schönes zu unternehmen, allein oder mit jemandem zusammen.

Machen Sie realistische Pläne

Machen Sie Pläne, die Ihre Möglichkeiten nicht übersteigen. Stellen Sie an sich selbst und Ihre Umgebung keine unmöglichen Anforderungen. Wenn Sie die Realität im Auge behalten, werden Sie flexibel auf Veränderungen Ihrer körperlichen Verfassung reagieren können. Dazu gehört auch, dass Sie darüber nachdenken, die Arbeitszeit zu reduzieren, den Job zu wechseln oder die Arbeit ganz aufzugeben.

„Die größte Belastung waren die Ausreden. Jahrelang hatte ich bei der Arbeit niemandem gesagt, dass ich MS habe. Dann gaben eines Tages meine Beine einfach nach. Am nächsten Morgen erzählte ich meinem Chef von der MS. Es war eine Erleichterung, und er war sehr hilfsbereit." Günther, 42, Deutschland

Machen Sie deutlich, was Sie können und was nicht

aelteres_paar_strandspaziergang.jpgNach einiger Zeit fühlen Sie sich weniger wehrlos, denn Sie wissen jetzt mehr über MS und haben gelernt, mit ihr umzugehen. Jetzt sind Sie so weit, Ihren Mitmenschen deutlich machen zu können, daß Sie kein Objekt des Mitleids sind und dass es Dinge gibt, die Sie weiterhin tun, aber auch solche, die Sie nicht mehr tun können. Sie können jetzt die Dinge offen zur Diskussion stellen und sich gegen eine herablassende Beschützerhaltung Ihrer Umgebung wehren (auch wenn sie gut gemeint ist). Das wird den Menschen in Ihrer Umgebung helfen, ihr Hilfsangebot Ihren Bedürfnissen anzupassen.


Versuchen Sie, Ihre Tagesplanung und die Zukunft offen zu lassen

Manchmal wird Ihre Krankheit es erfordern, daß gemeinsam geschmiedete Pläne geändert werden müssen. Bedenken Sie das, wenn Sie sich etwas Größeres vornehmen, und versuchen Sie, sich einen alternativen Plan zurechtzulegen, einen ‚Plan B‘ für den Fall, dass es Ihnen nicht so gut geht. Versuchen Sie, mehr von einem Tag auf den anderen zu leben, lassen Sie die Zukunft ein bisschen offen. Planen Sie besser über einen Zeitraum, den Sie überblicken können.

Versuchen Sie, positiv zu denken

mann_lachen_power_positiv.jpgWenn Sie etwas betrachten, was gut läuft, werden die Dinge, die schlecht laufen, zwar nicht weniger, aber leichter erträglich. Lachen erleichtert enorm, selbst wenn es über MS ist, und kann Ihnen helfen, Ihre Schwierigkeiten ins richtige Licht zu rücken. Sehen Sie die MS als einen Neubeginn und nicht als den Endpunkt eines besseren Lebens. Lernen Sie sich wertzuschätzen, wie Sie sind, und verbannen Sie Gedanken an Fehlschläge, Selbstbekrittelung und Enttäuschung.


Suchen Sie nach Alternativen

Sie werden sich nicht von allen Symptomen der MS befreien können, aber Sie können viel gegen die entstehenden Unbequemlichkeiten tun. Das wird Ihre Lebensqualität verbessern. Versuchen Sie nicht, beharrlich immer wieder das zu tun, was Sie früher konnten, ohne die Auswirkungen Ihrer Krankheit zu beachten. Tun Sie statt der Dinge, die nicht mehr gehen, andere, die Sie können, mit anderen Worten: Seien Sie flexibel! Sie können auch Ihr Tempo drosseln.

Das Gleiche gilt beim Thema Sex. Wenn Sie diejenigen Varianten Ihres Liebesleben pflegen, bei denen die MS-Symptome keine Rolle spielen, werden Sie sich die Freude am Sex erhalten. Im Gespräch mit dem Partner werden Sie gemeinsam Wege finden, die beiden gefallen.

Auch die alltäglichen Aufgaben rund um den Haushalt kann man so
angehen: Versuchen Sie, die anstehenden Arbeiten auf unterschiedliche Personen zu verteilen, und finden Sie zusammen mit den anderen ein Modell, mit dem Sie und Ihr Partner (bzw. die anderen Familienmitglieder) einverstanden sind.

Sehen Sie der Zukunft gemeinsam ins Auge

Familie, vor der Haustüre stehendMS verändert das Leben für Ihre Familie, Ihre Freunde und Ihren Partner, ob sie damit einverstanden sind oder nicht. Auch die anderen tragen sich mit einer Menge Sorgen. Aber auch wenn jeder seine eigenen Probleme hat, muss nicht jeder sie für sich allein lösen. Menschen, die lernen, sich gegenseitig in ihren Problemen zu unterstützen, kommen einander näher. Für beide Seiten ist es gut, etwas über die Bedürfnisse und Gefühle seines Gegenübers zu erfahren. Im Gespräch lassen sich Missverständnisse ausräumen und oft sogar vermeiden.

Trotz alledem ist es nicht ungewöhnlich, wenn Sie es nicht schaffen, ihre Probleme miteinander zu lösen. In diesem Fall können Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, z.B. die eines Psychologen oder Sozialarbeiters. Manche Menschen überwinden nur schwer die Hürde, die die Suche nach derartiger Hilfe für sie darstellt und die meistens von Angst oder Verlegenheit herrührt: „Jemand Fremdes kann doch nicht meine Probleme für mich lösen!" Das stimmt natürlich. Aber ein Experte kann das Problem klar herausarbeiten und die Kommunikation so weit verbessern, daß Sie aus ihrer Negativspirale ausbrechen können.

Vermeiden Sie die Negativspirale

Anspannung und Stress werden meistens als etwas Negatives betrachtet, das man vermeiden möchte. Dabei ist ein gewisses Maß an positivem Stress durchaus wünschenswert, denn er kann motivieren und anregen. Zu viel Anspannung oder negative Anspannung beeinträchtigen dagegen Körper und Seele, es entsteht eine ‚Negativspirale‘. Negativer Stress kann dazu führen, dass Sie sich aus gesellschaftlichen Aktivitäten zurückziehen und den Kontakt mit Familie und Freunden einschränken. Das wiederum führt dazu, dass Sie sich weniger fit fühlen und Sie Ihre Aktivitäten noch weiter einschränken, während Niedergeschlagenheit und Müdigkeit zunehmen. Oft treten dann körperliche Symptome auf: Kopfschmerzen, zunehmende Spastik, ein ,steifer Hals' und erhöhter Pulsschlag. Ohne Behandlung können dabei schwerwiegende Folgen auftreten: Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Engegefühl in der Brust, Konzentrationsschwierigkeiten und die Unfähigkeit, Probleme zu lösen.

„In meinem früheren Leben war Stress allgegenwärtig. Aber seit ich MS habe und Meditationsübungen mache, bin ich der entspannteste Mensch, den Sie sich vorstellen können. Der Alltagsstress ist es nicht wert, dass man sich den Kopf über ihn zerbricht." Alexandre, 34, Schweiz

Entspannungs- und Meditationsübungen können dazu beitragen, dass der Stress nicht überhand nimmt. Yoga oder Tai Chi sind zum Beispiel gut geeignet. Solche Techniken geben Ihnen verschiedene Methoden an die Hand, um den alltäglichen Stress abzubauen. So können Sie die Negativspirale erkennen und durchbrechen.

Bleiben Sie in Bewegung

fahrradtour_freunde_sport.jpgEs ist eine geläufige Tatsache, dass Bewegung viel zum geistig-seelischen Wohlbefinden beiträgt. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass zwischen körperlicher Aktivität auf der einen und Stimmung und Denkfähigkeit auf der anderen Seite eine positive Beziehung besteht. Die Symptome der MS können sich jedoch während der körperlichen Aktivität verschlimmern, und Sie erholen sich möglicherweise auch langsamer von der Erschöpfung. Die Erfahrung lehrt uns jedoch, dass MS-Patienten, die laufen können, fitter sind, mehr Muskelkraft haben und sich weniger müde und abgeschlagen fühlen. Auch Probleme mit Blase und Darm sind oft geringer und den Patienten geht es insgesamt besser. Versuchen Sie deshalb, körperlich so aktiv wie möglich zu sein. Beginnen Sie mit kurzen Trainingsphasen und verlängern Sie die Zeit, wenn Ihre Kondition besser wird. Sie werden besser durchhalten und sich schneller erholen, wenn es dort, wo Sie trainieren, kühl ist. Auch leicht abkühlende Bäder vor und nach dem Training können hilfreich sein.

Reden Sie mit demjenigen Arzt, bei dem Sie sich wohlfühlen

Rezepte ausstellen und Untersuchungen durchführen ist Routine. Aber ein Arzt, mit dem man über persönliche Dinge sprechen oder der Ihnen schwierige Zusammenhänge verständlich machen kann, ist etwas Besonderes. Ein Arzt, der sich die Zeit nimmt, Ihnen zuzuhören und der Ihre Beschwerden ernst nimmt, kann Ihnen sehr viel Klarheit und Zuspruch geben. Also zögern Sie nicht, nach einem Arzt zu suchen, bei dem Sie sich wirklich gut aufgehoben fühlen.

Es scheint immer noch viele Menschen zu geben, die sich nicht trauen, Ihrem Arzt gegenüber ganz offen und ehrlich zu sein. Da die Mitarbeiter in der Praxis für jeden einzelnen Patienten meist nur wenig Zeit haben, sprechen Sie vor allem das an, was Ihnen besonders wichtig ist, denn genau das ist auch für den Arzt entscheidend. Versuchen Sie, sich möglichst präzise auszudrücken. Es kommt nicht nur darauf an, offen und sachlich zu sein, sondern auch darauf, den ganzen Velauf möglichst genau wiederzugeben. Alles in allem ist der Arzt wesentlich besser informiert, wenn Sie ihm sagen können: „Ich habe 38,2° Fieber", als wenn Sie sagen: „Ich habe etwas Temperatur." Manchmal ist es gut, sich vorher eine Liste zu machen, denn es liegt an Ihnen, den Arzt mit zuverlässigen Informationen über sich zu versorgen. Andersherum hat der Arzt die Aufgabe, Sie mit zuverlässigen Informationen zu versorgen.

Allerdings ist das Vermitteln von Informationen eine Kunst, die nicht alle Ärzte beherrschen. Es passiert, dass jemand vom Arzt kommt und die Information nicht richtig mitbekommen oder verstanden hat, geschweige denn, sich erinnert, was genau gesagt wurde. Zögern Sie also nicht, genauer nachzufragen, oder fragen Sie den Arzt, ob er Ihnen Broschüren oder anderes Material zu dem besprochenen Thema zur Verfügung stellen kann. Unter Umständen ist es hilfreich, den Partner oder einen Freund mitzunehmen, denn zwei Personen merken sich mehr als eine.

Suchen Sie Kontakt zu Menschen in der gleichen Situation

Ein Gespräch mit Menschen, die in der gleichen Situation sind wie Sie, verhilft Ihnen oft zu größerer Klarheit und Motivation. Diese Menschen kennen bereits vieles von dem, was Sie erleben, und haben auch Fragen und Probleme, die sich mit Ihren vergleichen lassen. Vor allem können Menschen mit dem gleichen Schicksal Ihnen viele wertvolle Tipps und Informationen zum Umgang mit MS im täglichen Leben geben. Finden Sie heraus, ob es am Ort eine Gruppe von MS-Betroffenen gibt oder treten Sie der Multiple Sklerose Gesellschaft bei. Sie ist aktiv mit der Organisation aller möglichen Patientenveranstaltungen befasst und steht für die Interessen ihrer Mitglieder ein.



BSMO Redaktion




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