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Neurologisch




Neurologische Untersuchung basiert oft auf einfachen Tests

Die Arztwahl ist nicht nur eine Frage der Sympathie

Der Neurologe wird den Patienten zunächst nach den Beschwerden befragen. Nachdem er die allgemeine (Kranken-)Vorgeschichte erfasst hat, schließen sich verschiedene neurologische Untersuchungen an. Sie kommen den Patienten oft zum Teil ein wenig merkwürdig vor, sagen dem Arzt jedoch viel über mögliche Störungen. Eine besondere Rolle spielt der Seitenvergleich.

Bei Verdacht auf eine Multiple Sklerose (MS) nimmt der Arzt nach der Erhebung der Vorgeschichte zunächst eine neurologische Untersuchung vor, bei der alle Körperfunktionen und besonders die vom Gehirn übergeordnet gesteuerten Funktionen systematisch und schmerzlos überprüft werden. Denn auf diese Weise kann er bereits einige MS-verdächtige Beeinträchtigungen finden: Etwa eine einseitige Minderung des Sehvermögens, das Auftreten von Doppelbildern in bestimmten Augenpositionen, eine verminderte oder veränderte Wahrnehmung verschiedener Berührungen, eine eingeschränkte Muskelkraft, Koordinationsstörungen oder ungewöhnliche Reflexe.

Oft sind die Störungen so leicht ausgeprägt, dass sie vom Patienten im Alltag nicht bemerkt, vom Neurologen mit seinen verschiedenen körperlichen Untersuchungsmethoden jedoch nachgewiesen werden. Von besonderer Bedeutung ist für ihn bei vielen Untersuchungen der Seitenvergleich, denn bestimmte einseitige Funktionseinschränkungen schließen einige Erkrankungen aus und erhärten den Verdacht auf eine Multiple Sklerose.

Inspektion und Untersuchung der zwölf Hirnnerven

Einige der neurologischen Untersuchungen erfolgen nahezu nebenbei, so dass der Patient sie womöglich gar nicht mitbekommt. So kann der Arzt beispielsweise durch einfache Beobachtung Störungen im Gangbild und der Haltung sehen. Oder er erkennt am Händedruck bei der Begrüßung, wie viel Kraft der Patient in dieser Hand hat. Andere Funktionen hingegen überprüft er durch gezielte Untersuchungen.

So hat beispielsweise jeder unserer zwölf Hirnnerven bestimmte Aufgaben, für die spezielle Funktionstests zur Verfügung stehen. Den motorischen, d.h. bewegungsvermittelnden Gesichtsnerv kann der Arzt zum Beispiel kontrollieren, indem der Patient Grimassen schneidet. Und die Funktion des Riechnervs überprüft er mit Hilfe bestimmter Aromastoffe, die der Patient riechen soll.

Generell werden bei diesen Untersuchungen Sehen, Hören und Riechen, verschiedene Reflexe im Kopfbereich sowie die Kraft der Muskulatur im Bereich des Gesichtes, des Halses und der Schultern getestet. Auch das Berührungsempfinden in diesen Regionen sowie das Schluck- und Sprechvermögen gehören zur Begutachtung.

Einfache Tests zur Überprüfung der Sensibilität

Ein gestörtes Gefühlsempfinden kann der Arzt erkennen, indem er am gesamten Körper mit einem Wattebausch über die Haut streicht. Dabei empfindet der Patient möglicherweise an bestimmten Stellen, dass sich das Gefühl ändert, oder es ergeben sich Unterschiede im Seitenvergleich.

Zusätzlich hat der Neurologe einige spezielle Sensibilitätsprüfungen zur Verfügung: Wenn er den Patienten bittet, mit geschlossenen Augen die Schwingungen einer auf den Knochen aufgesetzten, angeschlagenen Stimmgabel zu erkennen, überprüft er die Tiefensensibilität. Soll der Patient mit geschlossenen Augen die Stellung seiner Zehen oder Finger beschreiben, während der Arzt diese leicht ändert, wird der Lagesinn kontrolliert. Und auch die Fähigkeit, mit geschlossenen Augen Zahlen oder Buchstaben zu erkennen, die mit einem stumpfen Gegenstand auf die Haut „geschrieben" werden, liefern dem Arzt wichtige Hinweise auf Störungen, die der Patient selbst nicht empfindet. Zudem lassen sich Temperatur- und Schmerzempfinden – die bei MS verändert sein können - testen.

Nachweis von Kraftminderung und Lähmungen

Eine verminderte Muskelkraft oder Lähmungen kann der Arzt mit bestimmten Beuge- und Streckbewegungen erkennen. Dabei hält er selbst Kraft entgegen, um Widerstand aufzubauen und mögliche Kraftminderungsgrade besser abschätzen zu können. Auch Unterschiede im Seitenvergleich lassen sich auf diese Weise ermitteln.

Störungen der Feinbeweglichkeit können zudem manchmal der einzige Hinweis auf eine Lähmung sein, die auf eine Störung im Gehirn zurückzuführen ist. Sie lassen sich beispielsweise überprüfen, indem der Patient so tut, als drehe er mit beiden Händen eine Glühbirne in die Fassung. Zudem kontrolliert der Arzt Muskelumfang, Beweglichkeit, Muskelspannung und abnorme Bewegungen.

Finger-Nase-Versuch zur Koordinationsprüfung

32771__seite42_fEin gestörtes Zusammenspiel von Nerven und Muskeln kann der Arzt beispielsweise mit dem Finger-Nase-Versuch erkennen. Dabei soll der Patient mit geschlossenen Augen seinen Zeigefinger zur Nase führen. Auch die Feinmotorik der Arme und Beine (Faden in ein Nadelöhr einfädeln, Greifen nach einem Gegenstand) und das Halten des Gleichgewichts liefern Hinweise auf Koordinationsstörungen.

Fehlende oder ungewöhnlich Reflexe bei MS

Klopft der Neurologe mit einem Reflexhammer auf Arme und Beine, überprüft er die Muskeleigenreflexe, die sich bei MS in der Regel verstärkt auslösen lassen. Andere Reflexe kann er auch ohne Reflexhammer kontrollieren. Der Bauchhautreflex, der bei MS-Patienten (aber auch bei Gesunden) teilweise fehlt, ist normalerweise zu beobachten, wenn ein spitzer Gegenstand leicht und zügig von außen zur Mitte über verschiedene Etagen der Bauchdecke gestrichen wird. In beiden Fällen wird der Arzt wieder einen Seitenvergleich vornehmen.

Zudem sind bei MS Reflexe typisch, die es bei Gesunden nicht gibt: Das gilt beispielsweise für den so genannten Babinski-Reflex, der auf einen krankhaften Prozess im zentralen Nervensystem hinweist. Hierbei bewegt sich die große Zehe des Patienten nach oben, wenn der Arzt mit der Spitze seines Reflexhammers über die Außenkante des Fußes streicht.

Untersuchungsmethoden individuell unterschiedlich

32772__seite47_fUm die vielen Ergebnisse auswerten, beurteilen, vergleichen sowie die Veränderungen kontrollieren zu können, stehen - spezielle Bewertungsskalen zur Verfügung. Diese werden vor allem in Studien eingesetzt.

Welche der Untersuchungsmethoden tatsächlich angewendet werden, ist individuell unterschiedlich. Denn der Arzt berücksichtigt zum einen die Krankengeschichte und zum anderen die Ergebnisse der bereits durchgeführten Tests, um dann zu entscheiden, welche Untersuchungen weggelassen können und welche hinzugefügt werden müssen. Auf diese Weise versucht er nach und nach, seinen Verdacht weiter zu erhärten und andere mögliche Erkrankungen auszuschließen.

Entsprechend unterschiedlich sind auch die weiterführenden Untersuchungen, die der Neurologe veranlasst. Bei unklaren Sehstörungen muss er möglicherweise einen Augenarzt hinzuziehen und bei Schluckstörungen oder einer unklaren Hörminderung an einen HNO-Arzt überweisen. Wenn sich bei seinen und ggf. weiteren Untersuchungen der Verdacht auf Multiple Sklerose hinreichend bestätigt hat, wird er zur weiteren Absicherung der Diagnose an einen Radiologen überweisen, damit dieser eine Kernspintomographie vornimmt.



BSMO Redaktion




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